Petition: Erhalt und Ausbau von wirksamen Frischluftschneisen und Kaltluftproduktionsflächen in Mannheim

Die Bürgerinitiative Lebenswertes Feudenheim fordert:

  • Schaffung einer wirksamen Frischluftschneise für Mannheim durch Abriss der U-Halle und durch Verzicht auf hochgeschossige Bebauung mit Barrierewirkung und hohem Reibungswiderstand und Verzicht auf einen zentralen Betriebshof

  • Stoppt vor allem diese massive Bebauungswut in Spinelli-Nord/Käfertal-Süd und Spinelli-Süd/Feudenheim-Nord zu Lasten der Anwohnerschaft und des Mannheimer Klimas

  • Für den Erhalt und Ausbau von Frischluftschneisen und Kaltluftproduktionsflächen

  • Für Maßnahmen, die endlich effektiv sind in der Bekämpfung der Stadtklimaerwärmung

  • Für die Förderung der Lebensqualität in unserer Stadt

  • Gegen Wachstumswahn und „Bauen auf Teufel komm raus“.

  • Mannheims Innenstadt und einige Stadtteile gelten heute schon als sog. Wärmeinseln. Denkt man an die Entwicklung in Japan mit Prognosen über die zukünftige Unbewohnbarkeit der dortigen Großstädte aufgrund unzureichender Belüftung durch Fehler der Stadtplanung, bekommen die aktuellen Bauvorhaben der Stadtverwaltung eine hohe Brisanz!

  • Verantwortungsvolle Politik sollte doch auf Nachhaltigkeit und ökologische Zukunftsfähigkeit setzen und darauf ausgerichtet sein, dass Menschen auch in einigen Jahrzehnten noch ein lebenswertes Zuhause in Mannheim finden. Mit mehr Bäumen, Grünflächen und vor allem breiten Grünzügen, die in der Lage sind, ausreichend Fläche bereitzustellen, um Kaltluft zu produzieren und Flurwindentwicklung anzuregen, und damit Frischluft in die benachbarten Stadtteile und in die Innenstadt zu transportieren!

  • Auch die folgend angeführten Eckpunkte aus dem „Modell Räumliche Ordnung“ (MRO) der Arbeitsgruppe „Mannheim 2000“, formulierte die Strategie für Mannheimer Verwaltung und Stadtpolitik 1992 deutlich:

Die Analyse der Rahmenbedingungen der zukünftigen Siedlungsentwicklung zeigt, daß jede weitere Inanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungszwecke [….] mit erheblichen Problemen verbunden ist und zum Teil nur schwer lösbare Zielkonflikte auslöst [..]. Die stärkere Konzentration auf die Innenentwicklung verursacht […] zum Teil erhebliche Nutzungskonflikte, so z.B. auch bei der Umnutzung des größten Teils der militärischen Flächen vor allem zwischen baulichen Nutzungen (Wohnen, Gewerbe) und Freiraumansprüchen. So steht der Verdichtung […] das Bemühen gegenüber, durch Begrünung und „Entsiegelung“ freiwerdender Flächen – anstelle ihrer Neubebauung – bessere ökologische Bedingungen zu schaffen. […] Um die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und die Lebens- und Umweltqualität der in Mannheim lebenden Bevölkerung zu sichern, ist es notwendig, das eigenständige, in sich geschlossene Freiraumsystem mit Aussagen über Tabubereiche für jegliche bauliche Nutzung weiterzuentwickeln und langfristig zu sichern. Bei alledem steht im Vordergrund die Lebensqualität unserer Stadt, die Identifikation der Bürger mit ihrem Lebensraum…

Zur Zeit prüfen wir, welche Freiraumradiale in Mannheim aus dem Klimagutachten Ökoplana vom 5.7.2010 wirklich noch frei sind.

Wir werden Sie hierzu unter „Neuigkeiten“ und auf unserer Homepage www.feudenheim.info unterrichten

Begründung

Hier am Beispiel der Konversionsfläche Spinelli: In Zeiten des Klimawandels, der Luftverschmutzung und der Überhitzung hätte Mannheim die einzigartige Chance durch vorausschauende Stadtplanung Frischluftschneisen zu erhalten und zu gestalten.

Sowohl in der „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (DAS, 2008) des Bundes, wie in „Anpassung an den Klimawandel-Empfehlungen und Maßnahmen der Städte“ (Dtsch. Städtetag, 2012) wurde als prioritäre Maßnahme „Erhalt und Erweiterung von Frischluftschneisen und Grünflächen“ empfohlen. Mannheim hat bereits in der Vergangenheit die zum Erhalt der gesunden Bewohnbarkeit der Stadt notwendige Umsetzung dieser Empfehlungen Partikularinteressen (Gewerbegebiet Sandhofen, SAP-Arena, Kurpfalzzentrum u.a.) geopfert.

Mit dem am 23.10.2018 vom Mannheimer Gemeinderat genehmigten Städtebaulichen Rahmenplan V483/2018 des freiwerdenden Militärgeländes Spinelli opfert die Stadt Mannheim erneut die effiziente Erweiterung der Luftleitbahn durch Erhalt der als Barriere wirkenden U-halle und eine viel zu hohe (bis 10stöckig) und verdichtete Neubebauung (s. auch Klimagutachten Ökoplana vom 25.10.2013) www.mannheim.de/sites/default/files/page/74450/klimagutachten_gruenzug_nordost.pdf

Die am alten Messplatz und Neckarufer geplanten Bebauungen sind für Fachleute ebenfalls unter bioklimatischen Gesichtspunkten eine Katastrophe (s. Mannheimer Morgen vom 9.11.18) www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-mannheim-hier-wird-ein-teil-der-identitaet-mannheims-zerstoert-_arid,1348304.html

Der Klimagutachter Burst zieht auf Seite 36 seines Gutachtens von 2017 wie folgt Bilanz: „Mit der baulichen Arrondierung Käfertal-Süd entstehen zudem neue Wohnbauflächen in bioklimatisch begünstigter Lage ohne in der Bestandsbebauung eine gravierende Zusatzbelastung hervorzurufen“. Eine „Klimaverbesserung“ werden also nur die Menschen erleben, die IN die Frischluftschneise ziehen. Für alle anderen bedeutet die Entwicklung eine Verschlechterung. Das schreibt auch der Mannheimer Morgen. Es ist recht erstaunlich, dass die Stadt entgegen der Empfehlung des Klimagutachters (maximal 3-geschossig) tatsächlich 10-geschossig geplant hat. Unser Kenntnisstand ist der, dass Prof. Norra noch ein Gutachten auf Basis eines 3-D-Modells vornehmen soll. Dieses wird aber wohl erst 2019 durchgeführt. Durch Absegnung des Rahmenplans zum jetzigen Zeitpunkt und nach jetziger Erkenntnislage wird das Bebauungsvorhaben (vor)zementiert. Damit ist aber auch klar, dass allen Zustimmenden die klimatische Entwicklung gleichgültig, zumindest aber untergeordnet ist www.mannheim.de/sites/default/files/2017-11/20170531_Klimagutachten%20Grünzug%20Nordost_IV_Varianteprüfung_Vorentwurf_0.pdf

Nach dem Praxisratgeber Militärkonversion (bmvbs, Juni 2013) hätte man hier recht einfach eine Grünfläche entstehen lassen können, da muss man nichts durch üppige Bauvorhaben und Bebauungspläne „sichern“. Die Gebäude haben mit der Entwidmung (als Militärfläche) ihren Bestandsschutz verloren. Das hätte die Bima zurückbauen müssen. Mannheim hätte hier zum Nulltarif einen besseren Grünzug haben können.

Auch die von der Stadt für zigtausende in Auftrag gegebene Studie „Strukturkonzept Konversion“ empfahl deutlich auf Spinelli auf Bebauung zu verzichten um ausschließlich klimatisch dringend erforderliche grüne Ausgleichsflächen zu schaffen www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/ministerien/BMVBS/Sonderveroeffentlichungen/2013/Militaerkonversion.html?nn=431364

Warum überhaupt muss man in Zeiten des Klimawandels die wertvolle Ressource Boden verschleudern, nur um sich daran letztlich zu bereichern? Ackerland/Grünfläche mit einem Quadratmeterpreis von ca. 50€ oder Bauland zu 600€??? Statt das zu tun, was dringend angezeigt wäre: Für echte Klimaverbesserung in großen Teilen Mannheims zu sorgen!

In diesem Zusammenhang verweisen wir nochmals eindringlich auf das Spinelli-Klimagutachten von Ökoplana vom 25.10.2013. Schon damals wurde auf Seite 11 auf die verstärkte Wärmebelastung von Mannheim durch Klimaerwärmung hingewiesen: Mannheim liegt bei 35,1 bis 37,5 Tagen mit Wärmebelastung im Jahr (das sind Tage an denen der menschliche Organismus die Hitze nicht mehr ohne gesundheitliches Risiko verarbeiten kann) schon jetzt an der Spitze in Baden-Württemberg, im Zeitraum 2025-2055 ist danach mit 11 bis 15 zusätzlichen heißen Tagen (über 30 Grad) und mit 25 bis 30 zusätzlichen Sommertagen (über 25 Grad) zu rechnen. Gegenwärtig wird jedoch vermutet, dass die zukünftige Klimaerwärmung im allgemeinen und die klimatischen Verhältnisse in Mannheim im besonderen durch die Entwicklung seit 2013 deutlich dramatischer ausfallen wird.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Bürgerinitiative Lebenswertes Feudenheim aus Mannheim

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