Bericht zur Podiumsdiskussion

Auf große Zuschauerresonanz traf die von den vier Feudenheimer und Käfertaler Bürgerinitiativen „Gestaltet Spinelli“, „Lebenswertes Feudenheim“, Grauzone Grünzug“ und „Konversion statt BuGa“ veranstaltete Podiumsdiskussion im Feudenheimer Epiphaniashaus.

Ziel der Veranstaltung war es, die Meinungen und Stimmungslage zur Konversion auf Spinelli und zum Grünzug Nordost im Vorfeld der anstehenden Kommunalwahlen zu erfragen. Konkret ging es um die Themengebiete Radschnellweg, Betriebshof und Wohnbebauung Spinelli Süd, Frischluftschneise / U-Halle sowie Bebauung Spinelli-Nord/Käfertal-Süd. Auf dem Podium diskutierten die Stadträte Gabriele Baier (Bündnis 90/Die Grünen), Katharina Dörr (CDU), Dr. Birgit Reinemund (FDP), Thorsten Riehle (SPD), Thomas Trüper (Die Linke) und Roland Weiß (Freie Wähler/ML).

Obwohl das Publikum zu allen angesprochenen Punkten teils heftige Kritik an den zuvor ergangenen Entscheidungen der Verwaltungsspitze und des Gemeinderates äußerte, verlief die Diskussion dennoch sachlich und frei von persönlichen Zuspitzungen und Anfeindungen. Hierzu trug sicherlich auch die gekonnte Moderation von Christine Schaefer und Michael Herrmann bei. Diese zeigten sowohl den Podiumsteilnehmern als auch den Rednern aus dem Publikum bei Überschreitung der Redezeit die gelbe bzw. rote Karte.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger äußerten sich sehr kritisch zum Radschnellweg durch die Au. Allein, dass für einen Radschnellweg eine breite Betonschneise in das Landschaftsschutzgebiet der Au geschlagen werden soll, traf auf großes Unverständnis. Bei vielen Wortmeldungen zeigte sich, wie sehr den Feudenheimer und Käfertäler Bürgern die Au ans Herz gewachsen ist. Schließlich gelang es in den Achtziger und Neunziger Jahren, die Zerstörung der Feudenheimer Au durch die damals geplante Fortführung des Rhein-Neckar-Schnellweges zu verhindern und die Au zum Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Herr Dr. Ulrich Schaefer von der Bürgerinitiative „Gestaltet Spinelli“ erläuterte, dass die viel bessere Lösung darin besteht, den Radschnellweg zur Schonung der Au auf dem breiten Weg am Aubuckel zu führen, während die Spaziergänger den Weg unterhalb des Hochgestades nutzen können. Neben den immens hohen Kosten von über 6 Millionen Euro wurde von den Bürgern zudem kritisiert, dass der Radschnellweg durch die Au in Richtung Neckar verlaufen soll; schließlich würde dies für die Anwohner von Käfertal, Spinelli-Nord, Rott und Vogelstang einen großen Umweg in Richtung Mannheimer Innenstadt bedeuten. Diese könnten die Innenstadt viel schneller auf dem direkten Weg über die Käfertaler Straße erreichen. Hierzu wäre lediglich die radfahrergerechte Ertüchtigung der Unterführung am Käfertaler Bahnhof erforderlich.

In einem sehr anschaulichen Vortrag wies die Bevölkerungsmedizinerin Dr. Claudia Rose auf die große Bedeutung von Kalt- und Frischluftschneisen zum Erhalt eines lebenswerten, vor allem aber gesundheitlich unbedenklichen Stadtklimas hin. Sie verdeutlichte, dass Mannheim aufgrund verschiedener realer Faktoren besonders von der prognostizierten Hitzeentwicklung bedroht sei. Anhand von zahlreichen Beispielen zeigte sie auf, dass sich Mannheims Stadtplaner und Klimatologen seit 50 Jahren für eine Maximierung des Grünzug Nordost einsetzen. Diese Forderungen seien jedoch mit den aktuellen Bebauungsplänen von Spinelli und der geringen Grünzugbreite über den Haufen geworfen worden. Deswegen stellte sie den Podiumsteilnehmern die „Gretchenfrage“ in Sachen Klimaschutz: Sie mögen sich entweder für eine Bebauung entscheiden, wie sie im Rahmenplan festgelegt ist oder für einen stadtklimatisch wirksamen Ausbau des Grünzuges Nordost als Freifläche zur Kaltluftproduktion und als rauhigkeitsarme Luftleitbahn, um die fragilen vorhandenen Flurwinde entlang des Grünzuges und in Richtung Innenstadt zu stabilisieren.

Christiane Säubert, Sprecherin der Bürgerinitiative Lebenswertes Feudenheim erläuterte die Pläne der Stadt zum Neubau eines zentralen Betriebshofes auf Spinelli. Dieser sollte – entgegen den ursprünglichen Planungen- nicht im Kleinformat für die Dauer der Bundesgartenschau bzw. zur Pflege der dann hinzukommenden Grünflächen nach der BUGA dienen, sondern einziger, zentraler Betriebshofstandort für ganz Mannheim werden. Die zusätzlich geplante Blockbebauung zwischen den bestehenden Kasernen,
weitere Hochhäuser, das unzureichende Verkehrskonzept wurde ebenso wie der Erhalt der sogenannten UHalle einschließlich 1.000 Parkplätzen für Großveranstaltungen, kritisiert. Die Pläne, dabei sämtlichen Verkehr über eine neue Zufahrt über die Talstraße zu lenken und dafür die bestehende großzügige Zufahrt am Aubuckel („Maingate“) zu schließen wurden stießen auch beim Publikum auf Ablehnung. Ein zentraler Betriebshof auf Spinelli hätte im Sommer 2018 bei der Abstimmung im Gemeinderat keine Mehrheit erhalten, daher wurde die Entscheidung vom OB kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Die Bürgerinitiative hatte auch im Sinne der Mitarbeiter der Betriebshöfe einen sofortigen Sanierungsbeginn der derzeitigen Standorte vorgeschlagen. Diese befinden sich lt. Aussage der Verwaltung jedoch teilweise in „hochbegehrlichem“ Gewerbegebiet und wurden zudem seit Jahrzehnten nicht Instand gehalten. Dass dies zu weiteren Grundstücksspekulationen führen wird ist sehr wahrscheinlich. Die Suche nach alternativen Standorten durch die Verwaltung im Sommer 2018 verlief erwartungsgemäß erfolglos – die Anforderungen waren entsprechend einschränkend formuliert worden. Mit einem Betriebshof in unmittelbarer Nähe zu bestehender und künftiger Wohnbebauung befände sich dann eine SchüttgutUmladestelle, Werkstätten für Metall- und Holzverarbeitung, beheizbare Fahrzeugunterstellplätze mitten in einer Frischluftschneise. Ob der Standort Spinelli weiterhin forciert wird und ob die Abstimmung darüber nach der Gemeinderatswahl nochmal auf die Tagesordnung kommt ist derzeit nicht bekannt.

Den vom Gemeinderat mehrheitlich abgesegneten Rahmenplan für die Bebauung auf Spinelli in Käfertal stellte Michael Meister, Co-Sprecher der Bürgerinitiative „Grauzone-Grünzug“, vor. Zentraler Kritikpunkt war dabei die verdichtete und massive Wohnbebauung mit bis zu 10 Geschossen an der Parkkante, die sich deutlich von der vorhandenen Bebauung abhebt, das unzureichende Verkehrskonzept sowie die geringe Anzahl der Parkplätze, d.h. 0,8 Parkplätzen pro Wohneinheit, bei gefördertem Wohnraum sogar nur 0,6 Parkplätze. Solche Planungen führen – wie derzeit in Heidelberg in der Bahnstadt selbst bei 1,0 Parkplätzen pro Wohneinheit zu beobachten – zu Chaos und Parkplatznot. Mit einem großen Fragezeichen sind die Pläne einer Straßenbahnlinie durch den Bäckerweg zu sehen: Wer die Straße kennt, kann sich nicht vorstellen, wie dort jemals eine Straßenbahn fahren soll. Deutlich verschlechtern wird sich die Situation für die Bestandsbewohner in Käfertal. Es wird mehr Verkehr, schlechteres Klima, weniger Durchlüftung und mehr Parkplatzprobleme geben. Nur einige wenige neue Bewohner, die in erster Reihe an der Parkkante wohnen werden, werden von einem besseren Klima und Verkehrsberuhigung profitieren. Ob der Bedarf für soviel neue Wohnungen tatsächlich gegeben ist, stellte Michael Meister in Frage. Die ständig steigende Zahl sei kaum nachvollziehbar.

Am Ende des Abends dürften die anwesenden Bürger viele neue Informationen und Erkenntnisse mitgenommen haben. Ebenso müsste den anwesenden Politikern die politische Brisanz ihrer Entscheidungen und die Stimmung in der heimischen Bevölkerung bewusst geworden sein

 

Unsere BI betreffend möchten wir noch anmerken, dass Herr @ThorstenRiehle sich in der Diskussion um den Standort Betriebshof Spinelli folgendermaßen äußerte:

(Vorausgegangen war eine Seite in der Präsentation in der das voraussichtliche Abstimmungsverhalten dargestellt wurde, siehe Foto – das war der Kenntnisstand der Bürgerinitiative Lebenswertes Feudenheim gemäß den Rückmeldungen von allen Gemeinderatsmitgliedern) „Die SPD hätte -wäre es zur Abstimmung gekommen – im Sommer 2018 mehrheitlich gegen einen zentralen Betriebshof abgestimmt“ Davon wussten wir nichts – auch haben wir von keinem einzigen SPD Gemeinderatsmitglied Antwort auf unsere Email bekommen, in der wir genau diese Frage gestellt haben und unser Positionspapier rechtzeitig an ALLE GR Mitglieder geschickt hatten. Wir haben dies freudig zur Kenntnis genommen und vertrauen hoffnungsvoll darauf, dass auch in Zukunft der Standort „Zentraler Betriebshof in Feudenheim“ auch für die SPD hoffentlich endgültig vom Tisch sein möge.