Mythen und Märchen

Wir würden gerne an dieser Stelle aufräumen mit den Mythen, den Märchen, den Gerüchten, die gestreut werden und kursieren ….. Und wir möchten inhaltlich überzeugen, bevor mit Beton und Stahl die nächste Mannheimer Realität geschaffen wird. Lange Zeit bleibt uns allerdings dafür nicht mehr, denn Bebauungspläne und Anträge für Änderung des Flächennutzungsplans liegen in den Schubladen und warten seit Genehmigung des Rahmenplans Spinelli am 24.10.18 nur darauf von der GBG und anderen Investoren in Zement gegossen zu werden…….. Deshalb schnell zum Thema der 5 am häufigsten von Mannheimer Politikern geäußerten Gerüchte zum Thema Grünzug Nordost und seinen verwandten Themen:

Gerücht 1: „Der Wind in Mannheim kommt aus ganz anderen Richtungen als aus Nordost“

DOCH:

  • Luftbewegungen in Städten wie Mannheim, entstehen von ganz alleine in Kaltluftschneisen aufgrund des hohen Temperaturunterschiedes zwischen Wärmeinsel (enge Stadtbebauung) und Kaltluftproduktionsflächen (Äcker, Wiesen, Grünflächen). Man nennt diese Luftbewegungen „Flurwinde“. Abhängig sind sie von der Breite der Kühlluftschneise, ihrer Rauhigkeit und der Fläche, die „groß genug“ sein muss, um Kaltluft herzustellen. Das steht in jedem Stadtklimalehrbuch. Ebenfalls abhängig sind sie von der hohen Temperatur innerhalb der Wärmeinseln. Dass diese zunehmen wird bestätigen bislang alle Prognosen zur Hitzeentwicklung in Deutschland. Neuerdings gibt es deutliche Hinweise dafür, dass Japans Großstädte wegen Hitzezunahme im Rahmen des Klimawandels noch in unserer Generation unbewohnbar werden – tja, Kalt- und Frischluftschneisen können manchmal entscheidend sein …. sagen jetzt zumindest auch die Japaner.

Gerücht 2: „Der Grünzug Nordost ist ein Mythos und keine Frischluftschneise“

DOCH:

  • Enge ich eine vorhandene natürliche und als Gebiet mit „sehr hoher klimatischlufthygienischer Ausgleichsfunktion“ ausgewiesene [Klimauntersuchung des Nachbarschaftsverband Heidelberg/Mannheim 2002 (d.i. der regionale Träger der Flächennutzungsplanung nach Baugesetzbuch)], also als hochwirksam kategorisierte Luftschneise von den Rändern her ein, (besonders mit dem Bau von Hochhäusern die klimatologisch als sehr „rauh“ gelten), wird die erzielbare Wirkung immer kleiner und kleiner. So geschehen im Rahmenplan zur Bebauung Spinelli: Aus theoretisch möglichen ca. 900m Breite wird 400m, bei (u.U vollständigem) Erhalt der U-Halle sogar z.T. nur noch 370m. Man muss nur erschütternd dreist genug sein, um allen Gesetzen und Leitlinien von Bund und Ländern, dem eigens angefertigten Mannheimer Klimagutachten und dem Positionspapier des Städtetages 2012 mit Empfehlungen zum Ausbau von städtischen Frischluftbahnen mit einer hochgradigen Einengung zu begegnen …. (doch schon schafft man einen funktionslosen Mythos).

Gerücht 3: „Eine funktionsfähige Stadtregierung (wie die Mannheimer Stadtverwaltung) begegnet dem Klimawandel durch innovative Freiraumkonzepte wie „Mannheim 2030″ und Dachbegrünungsmaßnahmen“

DOCH:

  • Seit 1974 (vermutlich auch noch länger) liegen seitenweise Stadtentwicklungskonzepte (Grünordnungsplan, MRO, Freiraumsicherungskonzept 1993 u.a.) der Stadt Mannheim vor, mit ausgedehnten Klimauntersuchungen, Karten und Plänen, die einhellig, mantra-artig die herausragende Bedeutung von optimal breiten Grünzügen (namentlich immer wieder auch des Grünzuges Nordost) herausstellen – dies alles mit Messungen, Berechnungen, Erklärungen und auch Erfahrungen aus anderen Klimazonen belegt. Studie um Studie, Gutachten um Gutachten (übrigens einige davon von der aktuellen! Stadtverwaltung Mannheim selbst in Auftrag gegeben) kommt also seit mehr als 40 Jahren übereinstimmend zu dem Ergebnis: Kaltluftschneisen in wärmebelasteten Regionen (und dazu gehört
    Mannheim nun mal in deutschlandweiter Spitzenreiterposition) sind das effektivste, vor allem aber das unkomplizierteste und preiswerteste Instrument ein wenig Kühlung für die gesamte Stadtbevölkerung zu schaffen. Die zum Thema „Freiraumkonzept Mannheim 2030“ beauftragte Berliner Firma wird vermutlich zum gleichen Schluss kommen – doch nicht ohne davor zigtausende Euro (aus Steuergeldern) in Rechnung zu stellen. Zu glauben, dass das Rad neu erfunden werden muss, hat eben seinen Preis.
  • Die am weitesten verbreitetste, sog. extensive Dachbegrünung wirkt vor allem mikroklimatisch und auch dann nur, wenn ordentlich bewässert wird und nicht alles verdorrt, sonst ist die Wirkung tatsächlich entgegengesetzt und es könnte zur Wärmespeicherung kommen. Aber Gießen ist seit Sommer ’18 ja des Mannheimers Lieblingsbeschäftigung, warum also nicht auch noch auf dem Dach und an der Fassade? Es gibt zwar Dachbegrünungen, die bei genügend großer Ausdehnung als Kalt-/Frischluftproduktionsfläche dienen könnten. Doch diese sog. intensiven Dachbegrünungen setzen hohe Kosten und Aufwand mit statischer Belastung von mehreren hundert kg pro m², Drainagesystem etc. voraus. Die wenigsten Projekte – und es geht bei der städtischen Förderung ausschließlich um noch nicht gebaute, bzw. genehmigte Bauvorhaben, werden diesen Aufwand betreiben.

Gerücht 4: „Spinelli ist alternativlos der beste Standort für einen zentralen Betriebshof“

DOCH:

  • Der zentrale Betriebshof für das Grünflächenamt wird über einen Fuhrpark von mehr als 100 Fahrzeugen verfügen. Diese produzieren – auch als E-Fahrzeuge – Feinstaub.
  • Der zentrale Betriebshof für das Grünflächenamt wird als Schüttgut-Umladestelle hohe Berge diverser Schüttgüter, wie Sand, Kies, Mulch etc. beherbergen. Schüttgutumschlag ist deutschlandweit ein erheblicher Feinstaubemittent.
  • Der zentrale Betriebshof für das Grünflächenamt wird darüber hinaus Werkstätten für die Metallverarbeitung, Holzverarbeitung und beheizbare Fahrzeugunterstellplätze beherbergen. Auch hierbei entsteht – neben der augenscheinlichen Lärm- und Hitzeentwicklung – Feinstaub.
  • Alles in allem eindeutige Beweise dafür, dass es sich um einen echten Gewerbebetrieb großen Ausmaßes (2.8 ha) mit erheblicher Feinstaubemission mitten in einer innerstädtischen Kalt- und Frischluftschneise, angrenzend an reine Wohngebiete handelt, – da bekommt das Attribut BESTE i.S. von „bester“ Standort fast zynischen Charakter!
  • Nicht nur transportiert die Luftleitbahn die nun wieder angewärmten und mit Feinstaub angereicherten Flurwinde in zahlreiche Mannheimer Stadtteile, die gesundheitliche Krönung des Ganzen kommt noch aus einer anderen Richtung nämlich ……:

Gerücht 5: „Die BI Lebenswertes Feudenheim übertreibt maßlos bei Ambrosiawarnungen“

DOCH:

  • Ambrosia ist eine in Deutschland nicht heimische, aber mit ungeheurer Geschwindigkeit sich ausbreitende Pflanzenart. Mannheim und Umgebung zählt zusammen mit dem Karlsruher Raum in Baden-Württemberg jetzt schon zu den am stärksten belasteten Regionen.
  • In Ländern wie USA, Ungarn, Frankreich u.v.m. wird man der Ausbreitung dieser Pflanze nicht mehr Herr, weshalb fast alle europäischen Staaten in warmen Klimazonen Notfallprogramme zur Ambrosia-Bekämpfung auffahren.
  • Das Robert-Koch-Institut geht von einer massiven Zunahme dieses Gewächses in Deutschland aufgrund des Klimawandels aus und warnt deutlichst vor den gesundheitlichen Risiken.
  • Die Pollen der Blüte zählen zu den potentesten Allergenen, die es gibt. Wenige der bis zu 40Jahre lang keimfähigen Pollen reichen aus, um allergische Beschwerden auszulösen. Die
    Risiken und daraus entstehende Kosten sind immens, wie man aus der Erfahrung in USA oder Ungarn sieht.
  • Ambrosia wird in Mannheim von den Mitarbeitern des Grünamtes bekämpft. Fahrzeuge, Arbeitskleidung, vor allem aber Grünabfälle und Werkzeuge sind während der Blütezeit mit den Pollen kontaminiert.
  • ….. ist es wirklich zu weit hergeholt, vor den Auswirkungen eines zentralen Betriebshofes des Fachbereichs Grünflächen innerhalb einer innerstädtischen Luftleitbahn zu warnen?

Kein Gerücht:

  • Ja, auch wir finden die Arbeitsbedingungen an den bisherigen Betriebshofstandorten skandalös und wünschen den Mitarbeitern baldmöglichst bessere Umstände…..
  • Ja, auch wir wollen bezahlbaren Wohnraum…..

Aber nein: Nicht in einer „lokalen Luftleitbahn mit sehr hoher klimatisch-lufthygienischer Ausgleichsfunktion“ (Klimafunktions- und Bewertungskarte zum Flächennutzungsplan Mannheim/Heidelberg), die über so viel klimaökologisches Potential für eine der wärmebelastetsten Städte Deutschlands verfügt. Dies ist kein Partikularinteresse von Feudenheimern, dies ist auch kein Wutbürgermeckern nach dem Sankt-Florian-Prinzip, dies ist ein diskussionswürdiger Beitrag zu einem gesamtstädtischen Thema von erheblicher Auswirkung, welches wir publik machen wollen, bevor Bagger und Stahlbeton Fakten schaffen.

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Feudenheim“

Mannheim im Klimawandel
Die Bürgerinitiative setzt sich u.a. ein für die Optimierung der durch das Spinelligelände verlaufenden Frischluftschneise (sog. Grünzug Nordost). Wir möchten die von der Stadtverwaltung geplante Zerstörung des klimatischen Potentials des Grünzuges verhindern. Die bei der Umsetzung des städtischen Rahmenplans entstehenden negativen Folgen für Feudenheim und große Teile Mannheims wären irreversibel.

Informieren Sie sich und helfen Sie bitte mit!

https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-und-ausbau-von-wirksamenfrischluftschneisen-und kaltluftproduktionsflaechen-in-mannheim www.feudenheim.info oder BI-Lebenswertes-Feudenheim@gmx.de

 

Frischluftschneisen sind das effektivste Mittel um Stadtüberwärmung zu verhindern.

Mannheim gilt als eine der am stärksten von Hitzeauswirkungen belasteten Städte Deutschlands. Der Grünzug Nordost wurde von der offiziellen Klimauntersuchung des Nachbarschaftsverband HeidelbergMannheim 2001 als „Freifläche mit sehr hoher klimatisch-lufthygienischer Ausgleichsfunktion“ eingestuft. Anstatt also den Grünzug für viele Stadtteile Mannheims wirksam auszubauen

  • beschneidet der aktuelle Rahmenplan der Stadtverwaltung (Konversionsfläche Spinelli ) das Potential erheblich und verschlechtert sogar die Situation in Teilen Käfertals und Feudenheims. Der geplante zentrale Betriebshof auf diesem klimatisch so wertvollen Gelände ist noch nicht vollständig vom Tisch. Bislang gibt es keine konkreten Alternativ-Entscheidungen. Darüberhinaus ermöglicht der gegenwärtige Rahmenplan:
  • den Erhalt der sog. U-Halle mit 1000 Parkplätzen für GroßVeranstaltungen
  • Hochhäuser mit bis zu 10 Stockwerken (als „landmarks“ verbrämt) und erhebliche hochgeschossige Wohnungsbebauung für „mindestens 4500 Menschen“.

Neben den klimatisch/lufthygienischen Folgen sind für Feudenheim und Umgebung eine deutliche Reduktion der Wohnqualität zu erwarten:

  • Erhebliche Zunahme von Verkehrsbelastung und Staus auch innerhalb bislang ruhiger Wohnstraßen
  • Steigende Lärmbelastung und Luftfeinstaubkonzentration
  • Beeinträchtigung der Flora und Fauna auf dem Natur-denkmal „Die Bell“ im Naherholungsgebiet Bürgerpark

DIE BÜRGERINITIATIVE „LEBENSWERTES FEUDENHEIM“ FORDERT:

  • Eine Priorisierung des Ausbaus der klimatisch/lufthygienischen Funktion der Frischluftschneise
  • Ein vernünftiges Verkehrskonzept, das den Verkehr reduziert und nicht steigert
  • Wohnungsbau nur nach Bedarfsprüfung und in klimaverträglicher Weise, v.a. in Bezug auf Geschossigkeit; z.B. mit Erwägung zukunftsweisender individueller Passivbauweise für junge Familien, Senioren, Inklusionsprojekten u.a.
  • Eine Nutzung der denkmalgeschützten Gebäude auf Spinelli ohne verdichtende Hochhäuser und ohne U-Halle
  • Entscheidungen zu Alternativen des zentralen Betriebshof
  • Berücksichtigung der Argumente der Umweltverbände
  • Wirkliche Transparenz und wahre Bürgerbeteiligung

 

PODIUMSDISKUSSION AM 08.05.2019 19.00 UHr Epiphaniashaus

Am 8. Mai veranstalten die Bürgerinitiativen „Gestaltet Spinelli“, „Lebenswertes Feudenheim“, Grauzone Grünzug“ und „Konversion statt BuGa“ gemeinsam ab 19 Uhr eine Podiumsdiskussion im großen Saal des Epiphaniashauses, Andreas-Hofer-Str. 39, 68259 Mannheim-Feudenheim.

Ziel ist es, im Vorfeld der am 26.5.2019 stattfindenden Kommunalwahlen die Meinung der im Gemeinderat befindlichen Fraktionen und größeren Gruppierungen zur Konversion auf Spinelli und zum Grünzug Nordost zu erfragen.

Konkret geht es um folgende Themengebiete:

1. Radschnellweg
2. Betriebshof und Wohnbebauung Spinelli Süd
3. Frischluftschneise / U-Halle
4. Bebauung Spinelli-Nord/Käfertal-Süd

Einladungen wurden bereits an politische Vetreter vesendet. Genauere Information folgen in Kürze.